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Wassermann

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Wassermanntümpel
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Wassermanntümpel
Wassermanntümpel/2

Algen und Schwämme haben die Haare des Wassermannes gar fürchterlich verklebt

Der Weg, der die drei Krönchenträger zum schummrigen Tümpel führte, war verwildert und feucht. Es war das erste Mal, dass Prinzessin Linden und Prinz Baum sich überreden hatten lassen, mitzukommen.
"Das ist mein verzauberter Tümpel", sagte Prinzzzi.
"Wie heißt der?", frug Prinzessin Linden.
"Wassermanntümpel."
Ein tiefgrüner Moosschleier bedeckte die Wasseroberfläche.
"Das sind meine verzauberten Wasserpflanzen", sagte Prinzzzi.
"Wie heißen die?", frug Prinz Baum.
"Entengrütze."
"Entengrütze?"
"Entengrütze."
"Das klingt aber lustig", trällerte Prinzessin Linden.
"Ich finde das Ganze eher beklemmend," sagte Prinz Baum.

Viele dunkle Geschichten hatte Prinzzzi schon erzählt über den Wassermann, der tief unten im Tümpel hauste.
Prinz Baum lachte immer, wenn Prinzzzi die unheimlichen Geschehnisse ganz aufgebracht beschrieb, die sich nächtens am Wassermanntümpel ereigneten.
"Nur ein Fröschlein muss quaken, eine Grille zirpen, nur ein Zweiglein muss ins Wasser fallen, schon beginnt der Wassermann zu wüten. Und wenn er sich gestört fühlt, fährt der Wassermann fürchterlich aus seiner Behausung hoch! Seine triefenden Haare sind dicker als Schiffstaue, zentnerschwere Algen und Schwämme kleben daran, und wenn er auftaucht und seinen schrecklichen Kopf zu schütteln beginnt, ist das wuchtiger als ein Orkan." Prinzzzi schnaufte.
 "Erst hört man nichts, die Vögel singen, ein Zweiglein bricht, sonst Stille. Wenn das Zweiglein ins Wasser fällt, erwacht der Wassermann. Dann hebt sich die schlammige Moosdecke an der Wasseroberfläche ganz leicht - und dann passiert es...."
"Was passiert? Der Orkan?", wollte Prinz Baum auf der Stelle wissen.
"Abwarten", sagte Prinzzzi und setzte sich ans Ufer. Seine Begleiter taten es ihm gleich.
Die Zähne von Prinz Baum fingen ganz von selbst an zu klappern.
Klappeklack klickklickklick klack.

Die Mondsichel lag auf dem Rücken und warf ein blasses Lichtlein auf den tiefgrün bedeckten Tümpel. Kein Vöglein tschilpte. Keine Ameise kratzte sich am Bäuchlein. Es war mucksmäuschenstill.

Das trockene Blatt fiel in die grunzgrüne Entengrütze hinein.


Ein trockenes Blatt löste sich vom Lindenbaum, der sich über den finsteren Tümpel beugte.
"Jetzt kommt er gleich", flüsterte Prinzzzi.
Prinzessin Linden, Prinz Baum und Prinzzzi waren längst ein paar Schritte vom Ufer zurückgetreten und hielten sich an den Händen fest.
Das trockene Blatt schaukelte und tänzelte herab, und legte sich mitten in die Entengrütze.
"Jetzt kommt er gleich."

Und wirklich, schon wölbte sich der Grützenteppich, der ganze Tümpel schien sich zu heben und senken. Tief am Grund keimte ein schweres Grollen, das aufstieg und sich ausbreitete. Eine lange langsame Woge ging über den Teich, klatschte an den feuchten Stein am Ufer und verlief sich wieder, hinab, in die Tiefe, in die Behausung des fürchterlichen Wassermannes.
Schlagartig wurde der Grützenschleier zerrissen. Ein gar schreckliches Schauspiel bot sich den drei Prinzenfreunden.

Die schaurige Kreatur, die da fürchterlich aus ihrer Behausung hochfuhr, die das Wasser mit Getöse und Getobe zersplittern und überschäumen ließ, musste der Wassermann sein.
Seine triefenden Haare waren dicker als Schiffstaue, zentnerschwere Algen und Schwämme klebten daran. Löchrige tropfende Schwimmhäute hingen zwischen Armen und dem mächtigen Rumpf. Sein buckeliger Schädel musste größer sein als eine Regentonne, und seine Visage war von Schlamm und Entengrütze zugekleistert. Doch jetzt öffnete er sein riesiges Maul und begann zu brüllen:
"Weheer ist denn dahaas!
Weheer wahaagt es mich zu stöhöören!
Ich frrrrresse jeheeden Eindringling im Nuhuu!"

Sein schrecklicher Schädel kippte nach links, nach rechts, erst langsam, dann schneller. Das Wasser löste sich aus seiner klitschigen Mähne und prasselte und klatschte gegen Stein und Baum.
Prinzzzi, Prinzessin Linden und Prinz Baum hatten sich längst hinter dem Lindenbaum versteckt. Hinter dem lugten sie hervor.
Immer heftiger schüttelte der Wassermann seinen Kopf, so sehr, dass die eben noch mucksmäuschenstille Nachtluft in Bewegung geriet. Erst war es eine leichte Brise, dann war es ein feuchter Wind. Dann war es ein Regensturm, dann war es wuchtiger als ein Orkan. Wipfel heulten, Äste brachen und krachten in den Waldboden.
"Ich frrrrresse jeheeden Eindringling im Nuhuu! Ich frrrrresse jeheeden Stöhöörenfried und ahaalles ahauf!"

Wer mich stöhöört, der landet in meinem Mahaagen!


Das Gebrüll des Ungetüms schallte so schauderlich in die Nacht hinaus, dass es im Laub rundherum nur so raschelte.
"Frrrrresse ahaalles ahauf!", donnerte er ein zweites Mal, riss das Maul noch weiter auf, und noch weiter, und schnappte zu.
Schnappte mit ungeheuerlichem und hohlem Krachen zu. Schlang das, was ihn gestört hatte, hinunter. Schluckte den Eindringling hinunter. Und tauchte unter.

 



 

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