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Goldene Feder

Die kleine goldene Feder erschrak, fuhr hoch, und wehte weiter auf ihren Kinder Fantasiereisen.

Es war einmal eine kleine goldene Feder. Die kam aus dem Märchenwald geweht und  schaukelte durch die Gassen. Sie kam an einem Bioladen vorbei. In der Auslage lehnte ein Dinkelbrot. Die Feder erschrak und fuhr hoch. Mitten in den Himmel hinein.
'Nein ein Dinkelbrot will ich nicht sein!'

Und sie wehte weiter, hoch über die Gassen, im Märchenwald durchs Laub und wieder zurück. Langsam und leicht sank sie herab, baumelte und glaumelte.
Die kleine goldene Feder kam an einem Spielwarenstand vorbei. Ein kleines Holzschwein auf Rädern stand da in der Auslage. Auf seinem Rücken trug es zwei hölzerne Wichtelmänner. Die Feder erschrak und fuhr hoch. Mitten in den Himmel hinein.
'Nein ein Holzschwein will ich nicht sein, zwei Wichtelmänner auf meinem Rücken!'

Wollte die kleine goldene Feder denn etwas anderes sein als eine Feder?

Und sie wehte weiter, hoch über die Gassen, im Märchenwald durchs Laub und wieder zurück. Langsam und leicht sank sie herab, baumelte und raumelte.
Vor dem Eingang einer Cafe-Bar hing eine alte Laterne. Die Feder erschrak und fuhr hoch. Mitten in den Himmel hinein.
'Nein ein Laternenlicht will ich nicht sein!'

Wollte die kleine goldene Feder denn etwas anderes sein als eine Feder? Wenn es etwas gab das mehr Spaß machte als eine kleine Feder zu sein, warum nicht? Ja! Warum auch nicht?

Und sie wehte weiter, hoch über die Gassen, im Märchenwald durchs Laub und wieder zurück. Langsam und leicht sank sie herab, baumelte und waumelte.
Die kleine goldene Feder kam an einem Kartenverkauf vorbei, da war das Theaterprogramm angeschlagen. Es verkündete Kinder Fantasiereisen und Kurze Geschichten und Kleine Geschichten. Die Feder erschrak und fuhr hoch. Mitten in den Himmel hinein.
'Auch wenn das Theater kurze Geschichten und kleine Geschichten spielt!
Und wenn das Theater auch Kinder Fantasiereisen spielt!
Nein ein Theaterprogramm will ich nicht sein!'

War denn die kleine goldene Feder schon einmal etwas anderes gewesen als eine Feder?
Ja!
'Ich war einmal ein Theaterprogramm und musste Kinder Fantasiereisen und kurze Geschichten und kleine Geschichten ankündigen! Ich war einmal ein Theaterprogramm, hörte kurze Geschichten und kleine Geschichten, flutschte durchs Kanalgitter und war weg!'
Ach du arme kleine goldene Feder!
'Ich war einmal ein Laternenlicht. Mich traf ein Stein ganz pfeilgeschwind und blies mein Lichtlein aus!'
Ach du arme kleine Feder!
'Ich war einmal ein Dinkelbrot und niemand wollte mich essen!'
Ach du arme Feder!
So viel Leid hatte sie schon erfahren! Die kleine goldene Feder. Immer flügge durch die Gassen! Im Märchenwald durchs Laub und zurück!
Was würde wohl aus ihr noch werden?

'Ich war ein kleines Holzschwein auf Rädern, zwei Wichtelmänner saßen auf meinem Rücken, und ich konnte nicht mehr grunzen!'
Ach du arme, ach du arme arme kleine goldene Feder!

Über Wipfel und Halme, im Märchenwald durchs Laub federleicht flüchtig...


Und sie wehte weiter, hoch über die Gassen. Aus der Stadt hinaus, hoch über den Märchenwald, Wipfel und Halme, über Tannen und Zapfen. Langsam und leicht sank sie wieder herab, baumelte und zaumelte.

Bis sie vor dem Tore eines herrlichen Königsschlosses zu liegen kam.
Das Tor ging knarrend auf. Ein Prinz trat hervor.
"Ei was bist denn du für hübsche kleine goldene Feder?", rief der Prinz und steckte sich die Feder ins Haar.
Das gefiel der kleinen Feder. Tagein tagaus war sie von nun an mit dem Prinzen unterwegs. Mit seinen Prinzenfreunden, mit seinem kleinen Hündchen, in seinem Bettchen, an seinem Tischchen. Das gefiel der kleinen Feder.

Doch als der Prinz im Spiel einmal zu schnell über Stock und Stein stolperte, fiel ihm die Feder aus dem Haar. Und baumelte und faumelte zu Boden. Und als sie da auf der Erde lag, mitten im Märchenwald ganz fein allein, da wusste sie es.
'Ich will ein Prinzi sein!
Doch vor lauter Erschöpfung schlief sie ein. Schlief und schlief. Hundert Tage lang? Tausend Jahre lang?

Als sie am Morgen erwachte rief sie:
"Marmelade!", und wunderte sich.
Warum Marmelade?
Und warum hatte sie plötzlich ein Krönchen mit drei Tönchen auf ihrem Kopf?
Und warum hatte sie plötzlich einen Kopf auf ihrem Hals?
Wo sie doch eine kleine goldene Feder war!

Denn Prinzen haben einen Hals. Drauf den Kopf. Drauf die Krone.


Indessen erinnerte sie sich. Dass sie sich in einen Prinzi hinein verwunschen hatte. Und Prinzen haben einen Hals. Einen Kopf. Und eine Krone.
"Ich bin ein Prinzi! Ich esse Marmelade!", rief die goldene Feder fröhlich. Und war sogleich keine Feder mehr. Und hoffte, dass sie diesmal mehr Spaß haben würde als damals, vor langer Zeit, als sie ein Holzschwein auf Rädern gewesen war, zwei Wichtelmänner auf dem Rücken, und nicht grunzen konnte.

Viel Glück, kleine goldene Feder!
Viel Glück, Prinzi!

Wie Prinzi schließlich zu drei Zett in seinem Namen kam, erfahren wir hier...

 

 

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